Warum kann die Mathematik zur Lösung von Kants Problem der transzendentalen Synthesis nichts beitragen?

euclidbyrne

Vortrag gehalten auf dem studententischen Kant-Kongress der Humboldt Universität, 10-11.3.2016

Für Kant gibt es genau zwei Wissenschaften, deren Anliegen es ist, synthetische Erkenntnisse a priori hervorzubringen. Diese sind 1) die Mathematik und 2) die von ihm vorgetragene Metaphysik, welche den Namen „transzendentaler Idealismus“ trägt. Die Rollenverteilung zwischen diesen beiden Wissenschaften bestimmt Kant sehr sorgfältig. Jede hat ihre eigenen Fragen und Methoden. Kant nennt die Methode der Mathematik „intuitiver Vernunftgebrauch“ und die der Metaphysik „diskursiver Vernunftgebrauch“. Ganz wichtig ist außerdem, dass die Mathematik laut Kant bestimmte Begriffe und Verfahren voraussetzt, welche sie mit ihren Mitteln selbst nicht erläutern kann. Die Frage „Wie ist reine Mathematik möglich?“ zu beantworten, kommt also der Philosophie zu. Die Metaphysik ist der Mathematik in der Hinsicht übergeordnet, weil sie sich mit noch „tieferliegenden“ epistemologischen Fragestellungen beschäftigt, als die Mathematik.

Continue reading

Proudly powered by WordPress
Theme: Esquire by Matthew Buchanan.